00:00:00: Ich bekomme einen solchen Konflikt, der ja nicht nur ein Kompetenzkonflikt,
00:00:05: sondern der ein Haltungskonflikt ist.
00:00:07: Bekomme ich nur in den Griff, wenn ich tatsächlich versuche, mich gut zu erklären.
00:00:14: Herzlich willkommen zum Podcast Gut durch die Zeit. Der Podcast rund um Mediation,
00:00:19: Konfliktcoaching und Organisationsberatung.
00:00:21: Ein Podcast von INKOVEMA.
00:00:24: Ich bin Sascha Weige und begrüße dich zu einer neuen Folge. Und heute werden
00:00:29: wir den zweiten Teil unserer kleinen Reihe fortsetzen, der Betriebsrat als Konfliktakteur.
00:00:36: Wir haben dazu schon die erste Folge aufgenommen und wir heißt meine Kollegin
00:00:41: Rechtsanwältin Antje Burmeister, die wieder hier im Podcaststudio ist.
00:00:46: Hallo Antje. Hallo Sascha.
00:00:49:
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00:01:14: Antje, wir hatten im ersten Teil ja hier zum Thema Konflikte innerhalb von Gremien
00:01:20: gesprochen und die vielfältigen Konfliktlinien aufgezeigt, die in Gremien bestehen
00:01:25: und die auch durchaus jetzt,
00:01:27: Stichwort Generationenkonflikte, Digitalisierung,
00:01:30: immer weiter auch drücken.
00:01:32: Heute wollen wir uns im zweiten Teil den Konfliktpotenzialen zwischen Betriebsratsgremien anschauen.
00:01:40: Und was das genau bedeutet und so ein bisschen die Landkarte von Betriebsratsgremien
00:01:45: sich vorher zu Gemüte führen, ist notwendig, um das auch irgendwie einordnen zu können.
00:01:50: Also es wird am Anfang ein wenig strukturell werden wahrscheinlich.
00:01:55: Bevor wir da einsteigen, Antje, wie geht es dir? Was machst du derzeit?
00:02:00: Dankeschön, es geht mir gut. Ich bin kräftig am Streiten in tatsächlich auch
00:02:05: Betriebsratskonflikten, allerdings nicht internen Konflikten,
00:02:08: sondern so wie häufig in Konflikten mit Arbeitgebern.
00:02:12: Es sollen Betriebsteile ausgegliedert werden und das ist häufig Anlass zu Konflikt,
00:02:18: weil man natürlich als Betriebsrat das Bedürfnis hat, die Menschen,
00:02:22: die dort mit auf die Reise gehen sollen, auch bestmöglich auf die Reise zu schicken.
00:02:27: Und das sieht der Arbeitgeber häufig anders und sagt, wieso,
00:02:30: wir klären doch nur aus, da passiert doch nichts weiter.
00:02:33: Und das ist das, was mich heute im weiteren Verlauf des Tages auch stark beschäftigen wird.
00:02:38: Und diese Konfliktlinien, die schauen wir uns im dritten Teil an.
00:02:43: Denn das sind die allgemein immer sofort assoziiert werden,
00:02:48: wenn es um Betriebsräte und Konflikte geht, die mit dem Arbeitgeber,
00:02:53: Und dafür sind sie ja geschaffen worden, um diese Konflikte der Arbeitnehmerschaft
00:02:57: mit der Arbeitgeberschaft zu bündeln, zu strukturieren, zu organisieren.
00:03:02: Dafür ist das Betriebsverfassungsrecht gebaut worden mit dem Betriebsrat als Organ.
00:03:06: Aber da es in einem Betrieb auch mehrere Gremien geben kann,
00:03:12: gibt es natürlich auch dort Konflikte.
00:03:14: Und das wollen wir uns heute genauer anschauen.
00:03:17: Vielleicht steigen wir bei dem Thema ein. Es gibt mehrere Gremien innerhalb
00:03:21: eines Betriebes oder einer Firma.
00:03:23: Was muss man wissen, ganz grundlegend, und das ist juristisches Wissen?
00:03:28: Antje, was ist notwendig?
00:03:30: Also ich denke, es begegnen einem ja schon unterschiedliche Begriffe,
00:03:34: wenn man über Betriebsrat in einer Firmenstruktur spricht.
00:03:38: Da wird mal von Betriebsrat gesprochen und mal von Gesamtbetriebsrat und dann
00:03:43: vielleicht auch mal von Konzernbetriebsrat. Man muss verstehen,
00:03:47: dass das ganz unterschiedliche Gremien sind und die Bezeichnungen richtig deuten.
00:03:52: Also der Betriebsrat ist tatsächlich der örtliche Betriebsrat,
00:03:55: der in dem örtlichen Betrieb von den Arbeitnehmenden dieses Betriebes gewählt wird.
00:04:00: Der Gesamtbetriebsrat ist das Organ der Betriebsräte, die die Betriebsräte selber
00:04:08: bilden, auf Unternehmensebene.
00:04:11: Dieses, wenn ein Betrieb also mehrere Schwesterbetriebe hat,
00:04:16: ein Unternehmen also mehrere Standorte, ist die Bildung eines solchen Gesamtbetriebsrats
00:04:22: auf Unternehmensebene sogar zwingend.
00:04:24: Also die Betriebsräte würden ihre Pflichten verletzen nach Betriebsverfassungsgesetz,
00:04:30: wenn sie das Gremium Gesamtbetriebsrat nicht bilden. Ich habe da ein bisschen
00:04:34: nach sozusagen, um das Verständnis bei den Zuhörern da aufzugreifen.
00:04:39: Wenn du von Standorten redest, dann meinst du auch einen geografischen Standort?
00:04:44: Also wie man sich vorstellt, da gibt es halt ein Haus oder eine Betriebsstätte,
00:04:47: da gehen Leute hin und dann wird dort ein Standortbetriebsrat gewählt.
00:04:51: Oder können das auch unterschiedliche Häuser, unterschiedliche Einrichtungen
00:04:55: innerhalb einer Stadt zum Beispiel sein?
00:04:58: Das kann auch sein, das wäre aber die Ausnahme.
00:05:02: Also das Betriebsverfassungsgesetz regelt relativ klar, was ein Betrieb ist,
00:05:08: als, das ist jetzt sehr juristendeutsch, eigenständige betriebsorganisatorische Einheit.
00:05:15: Und sagt, wenn es noch kleine Versprengler gibt, Nebenbetriebe,
00:05:20: dann werden die unter bestimmten Voraussetzungen diesem Hauptbetrieb zugeordnet.
00:05:24: Aber ich denke, das Bild, was dir vor Augen schwebt, es gibt vielleicht in einem
00:05:29: regionalen Busunternehmen, das einen Betriebsstandort, wenn ich jetzt von Kölner
00:05:34: Verhältnissen ausgehe,
00:05:36: am Kölner Hauptbahnhof und es gibt einen weiteren Betriebsstandort außerhalb
00:05:40: von Kölns in einem Vorstadtbezirk, dann wären das zwei unterschiedliche Betriebe,
00:05:46: auch wenn sie vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt sind.
00:05:51: In der Regel ist das so. Es gibt Ausnahmen, auch da gibt es fürchterlichen Streit.
00:05:56: Das ist aber ein Streit, der häufiger mit dem Arbeitgeber als von den Betriebsräten
00:06:00: untereinander ausgetragen wird.
00:06:02: Das heißt, es kommt nicht primär auf den geografischen Standort an.
00:06:06: Es kann also gut sein, dort gibt
00:06:08: es die Fahrer mit dem Personal- und Geschäftsführung an der einen Städte.
00:06:13: Die Werkstatt ist außerhalb von Köln, wo die Busse gebaut werden,
00:06:17: repariert werden, auch abgestellt werden.
00:06:19: Und dann gibt es vielleicht auch noch eine IT-Einheit, die mag meinetwegen in
00:06:23: irgendeinem Coworking-Space untergekommen sein, ganz woanders.
00:06:28: Und das ist dennoch ein Betrieb und die würden dann einen Betriebsrat wählen,
00:06:32: wenn es organisatorisch eine Einheit ist.
00:06:35: Richtig, genau. Wenn das nicht der Fall ist, dann haben wir eine Firma mit zwei
00:06:40: Betriebsstätten und dann auch der Notwendigkeit, wenn Betriebsräte gewählt werden,
00:06:46: dort zwei Gremien zu haben.
00:06:48: Richtig, genau. Wobei das in der Initiative der Arbeitnehmenden liegt.
00:06:53: Es kann sein, dass in einem einen Betrieb ein Betriebsrat tatsächlich gewählt wird.
00:06:57: Es kann aber auch sein, dass in einem anderen Betrieb die Initiative nicht ergriffen
00:07:01: wird, dass sich auf seine Fahnen schreibt, keine Gewerkschaft unterstützt.
00:07:04: Der Arbeitgeber hat naturgemäß häufig nicht so das große Interesse.
00:07:07: Und dann haben wir einen Betrieb, der betriebsratslos ist. Und es ist auch gar nicht unüblich.
00:07:12: Es gibt viele, auch große Firmen gerade, die haben dann auch entsprechend viele
00:07:17: Standorte, Betriebsstättenstandorte und dann entsprechend viele Betriebsräte
00:07:24: als Standortbetriebsräte.
00:07:26: Und diese Standortbetriebsräte sich zusammenschließen, dann haben sie einen Gesamtbetriebsrat.
00:07:33: Genau. Ist das eine Pflicht? Und welchen Gedanken verfolgt das Gesetz,
00:07:39: wenn es diese Pflicht erhebt und damit den Gesamtbetriebsrat auch institutionalisiert?
00:07:45: Es gibt bestimmte Mitbestimmungsrechte, die der Gesetzgeber im Betriebsverpassungsgesetz
00:07:52: dem Gesamtbetriebsrat zuweist.
00:07:55: Das ist sehr klar geregelt, was nicht bedeutet, dass das nicht konfliktträchtig
00:08:00: ist für die Betriebsräte untereinander.
00:08:02: Denn du kannst dir sicher vorstellen, dass manche Angelegenheiten gerne von
00:08:06: den Betriebsräten vor Ort alleine geregelt werden möchten.
00:08:10: Aber die Zuständigkeitsverteilung des Betriebsverfassungsgesetzes sieht für
00:08:16: Angelegenheiten unter bestimmten Voraussetzungen eben die Zuständigkeit des
00:08:22: Gesamtbetriebsrates vor.
00:08:23: Also immer dann, wenn mehr als ein Betrieb betroffen ist und wenn die Angelegenheit
00:08:31: nur auf der Unternehmensebene geregelt werden kann, so heißt es im Gesetz.
00:08:36: Und da muss man ein bisschen wissen, was das dann tatsächlich auch bedeutet.
00:08:40: Und dann kommen wir sozusagen zu diesen Konfliktlinien, die man jetzt mal ganz
00:08:45: grob unter der Überschrift Kompetenzgerangel festlegen kann.
00:08:49: Also wer darf über was mit dem Arbeitgeber reden?
00:08:52: Richtig, genau. Aus Arbeitgebersicht ist das auch manchmal gar nicht so einfach zu überlegen.
00:08:57: Mit wem rede ich jetzt? Weil auch der Arbeitgeber hat ja vielleicht hoher Lieben,
00:09:02: weil er sagt, mit dem Gesamtbetriebsrat ist es hier einfacher oder mit dem örtlichen
00:09:06: Betriebsrat, mit dem aus A statt mit dem aus B statt ist es einfacher.
00:09:11: Das heißt, es ist schon ein sehr spannendes Feld. Und damit taktisches Geplänke,
00:09:16: Verhandlungsfragen und auch dann, wie man die Themen in Regelungen packt,
00:09:23: hat Auswirkungen oder hat sozusagen zur Bedingung, welcher Betriebsrat ist jetzt
00:09:28: gesetzlich kompetent dazu, also hat sozusagen die Zuständigkeit.
00:09:32: Genau. Dann haben wir diesen Bereich schon mal sozusagen ein bisschen dargelegt
00:09:38: und dann kommt noch der sogenannte Konzernbetriebsrat dazu, wenn es sich bei
00:09:42: der Firma um einen Konzern handelt.
00:09:45: Das ist ja noch mal was Besonderes. Ganz richtig. Damit auf sich.
00:09:50: Damit hat es auf sich, dass der Gesetzgeber an der Stelle erstaunlicherweise
00:09:55: keine Pflicht vorgesehen hat, den Konzernbetriebsrat zu bilden, sondern gesagt hat,
00:10:01: ihr könnt ihr Gesamtbetriebsräte oder auch ein einzelner Betriebsrat,
00:10:05: wenn er dann ein großer Betrieb ist, kann einen Konzernbetriebsrat gründen.
00:10:10: Es ist also kein Muss, sondern ein Kann.
00:10:13: Es ist auch lange nicht die Regel, überall dort, wo ein Konzernbetriebsrat gebildet
00:10:20: werden könnte, tatsächlich auch einen zu bilden.
00:10:22: Weil auch da muss ja der Gesamtbetriebsrat, jedenfalls in seiner Vorstellung
00:10:27: oder manchmal auch einzelne Betriebsräte in ihrer Vorstellung, Macht abgeben.
00:10:31: Also ich komme mal von der Seite her, um so ein bisschen, weil mir scheint das
00:10:35: Verhältnis Konzernbetriebsrat und Gesamt- bzw.
00:10:39: Standortbetriebsräte ist ein anderes als Gesamtbetriebsrat zu den anderen.
00:10:43: Ich kann mir das sozusagen juristisch nicht voll sozusagen erklären,
00:10:48: außer eben über diese, es hat eine Freiwilligkeit, diesen Konzernbetriebsrat
00:10:52: zu bilden und dann aber auch Konsequenzen, wenn man das getan hat.
00:10:58: Wenn der Konzernbetriebsrat besteht, dann sind eben unter denselben Voraussetzungen,
00:11:04: wie ich sie eben kurz geziert habe, für den Gesamtbetriebsrat bestimmte Dinge
00:11:09: auf Konzernebene zu regeln.
00:11:11: Das spielt eine große Rolle in der Praxis für alle EDV-technischen,
00:11:18: Software-technischen und zukünftig auch die KI-Fragestellungen.
00:11:22: Ja, die sind in der Regel auf der Konzernebene zu regeln. Und zwar warum?
00:11:28: Erstens gelten sie für alle, also ich wollte jetzt etwas zögern,
00:11:33: für alle zu sagen, aber für viele, ja, also mindestens für mehrere sozusagen.
00:11:38: Und zweitens können sie technisch zwingend meistens nur konzerneinheitlich gestaltet
00:11:45: werden, weil es gibt eine Quelle sozusagen, die die Daten bearbeitet.
00:11:51: Es gibt insofern technisch zwingende Erfordernisse schon von den Herstellern,
00:11:57: zum Beispiel bei Microsoft nennt sich das ein Tenant.
00:11:59: Ein Konzern ist ein Tenant und insofern wird eine solche Untereinheit wie einzelne
00:12:06: Unternehmen oder einzelne Betriebe an der Stelle gar keine Berücksichtigung finden.
00:12:11: Und diesem technisch zwingenden Aspekt muss sich das Betriebsverfassungsrecht
00:12:16: an der Stelle beugen, ob nun die Beteiligten das möchten oder nicht.
00:12:20: Wenn es unternehmens- bzw.
00:12:22: Konzerneinheitlich genutzt werden soll, diese Software, dann ist der Konzernbetriebsrat
00:12:27: auch zwingend für die Regelung dieses Sachverhalts zuständig.
00:12:32: Ich mag noch mal einen Punkt zur Verortung des Konzernbetriebsrats anfragen.
00:12:37: War, dass mehrere Standortbetriebsräte dann einen Gesamtbetriebsrat bilden und
00:12:41: dort also auch Funktionsträger aus den Betriebsräten in den Gesamtbetriebsrat entsenden?
00:12:47: Oder stellt sich das für die Entsendung in den Konzernbetriebsrat auch so dar,
00:12:51: dass dann mehrere Gesamtbetriebsräte vorhanden sind, die dann sozusagen die
00:12:55: Pyramide zum Konzernbetriebsrat bilden?
00:12:58: Oder kann auch bei einem Gesamtbetriebsrat noch zusätzlich ein Konzernbetriebsrat gebildet werden?
00:13:06: Ein Gesamtbetriebsrat alleine würde nicht ausreichen, weil da habe ich die zweite
00:13:10: Einheit nicht, aber entweder ein weiterer Gesamtbetriebsrat oder ein weiterer Betriebsrat.
00:13:15: Also stellen wir uns vor, ein Betriebsrat eines großen Unternehmens oder einer
00:13:22: großen Einheit, sag ich besser,
00:13:23: die eben nicht über mehrere Standorte verfügt und mit dieser Einheit zusammen
00:13:29: wäre dann ein Konzernbetriebsrat zu bilden.
00:13:31: Ja, also es braucht sozusagen schon auch zwei Player, um deinen Konzernbetriebsrat zu geben.
00:13:38: Und damit haben wir auch dort wieder Kompetenzfragen, die zu Kompetenzkonflikten
00:13:45: führen können innerhalb der Gremien.
00:13:48: Genau. Zwischen den Gremien, um da die sprachliche Genauigkeit zu halten.
00:13:53: Anja, welche Erfahrung hast du mit Konflikten zwischen den Gremien der gleichen Firma gemacht?
00:14:00: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Sichtweise des Gesetzes häufiger nicht
00:14:08: der Sichtweise der unmittelbar Betroffenen entspricht.
00:14:11: Je näher der Umstand an mir dran ist, desto mehr habe ich den Wunsch,
00:14:18: diesen Umstand auch selber zu gestalten.
00:14:20: Nehmen wir ein Beispiel, was üblicherweise dann auch auf örtlicher Ebene verbleibt.
00:14:27: Wenn ich im Schichtbetrieb arbeite.
00:14:30: Und also Schichtbetrieb, Schichtthemen, die sind auf örtlicher Ebene natürlich
00:14:36: angewendet und dort von denen auch gerne bearbeitet.
00:14:40: Das würde man beim Standortbetriebsrat belassen. Ja, das wäre auch komplett
00:14:44: unstreitig, dass das so ist.
00:14:46: Aber ich wollte es illustrieren, dass die Konflikte dort entstehen,
00:14:51: wo die Auswirkungen einer Materie sehr dicht an mir dran ist,
00:14:56: sich aber trotz als betroffener Betriebsrat dann die Regelung dieser Materie
00:15:02: abgeben muss an ein anderes Gremium,
00:15:04: also an den Gesamtbetriebsrat oder vielleicht auch an den Konzernbetriebsrat.
00:15:09: Da habe ich in meiner Vergangenheit mit Betriebsräten, vor allem auch mit Konzern-
00:15:12: und Gesamtbetriebsräten erlebt, das Thema Technologie und Software vor allen Dingen.
00:15:19: Absolut. Als Software-Einführungen, die Beteiligten unmittelbar betroffen sind,
00:15:26: die merken das richtig, dass sie neue Technologien bekommen,
00:15:29: dass sie neue Software nutzen sollen und gleichzeitig die Regelungen und was
00:15:35: dahinter auch sich verbirgt, buchstäblicher,
00:15:37: diese Metapher hinter der Software, dann in der Hardware, was da geschieht,
00:15:42: dass sie das nicht mehr in Händen halten.
00:15:44: Und das führte oftmals auch zu Konflikten zwischen diesen Gremien.
00:15:50: Absolut. Und es gibt ja auch ganz unterschiedliche Herangehensweisen genau an
00:15:54: dieses Software-Thema.
00:15:55: Es gibt Menschen, die sehr offen sind für das Thema und eine sehr niedrige Schwelle
00:16:01: haben in der Wahrnehmung, ob und inwieweit damit Gefahren verbunden sind.
00:16:06: Und es gibt andere Menschen, die da sehr sensibel sind und sagen,
00:16:10: ich möchte aber, dass meine Daten, und wir sprechen ja hier über Arbeitnehmerdaten,
00:16:15: also meine Leistungsdaten, wann bin ich online, wann bin ich offline, wie oft mache ich Pause,
00:16:20: benutze ich neben meinem eigentlichen Gerät, benutze ich noch mehrere Geräte,
00:16:24: die genau da eben empfindlich sind und auch sagen, das ist mir aber nicht recht,
00:16:28: dass ich hier so gläsern bin.
00:16:30: Also daran sieht man, das ist ein sehr persönliches Thema, was aber ja dann
00:16:35: tatsächlich auf der übergreifenden Ebene, sei es Gesamt- oder sei es Konzernbetriebsrat,
00:16:41: aufgrund dieser technisch zwingenden Einrichtung übergreifend auch behandelt werden muss.
00:16:47: Da kommen bei mir jetzt ganz viele Erfahrungswerte hoch, die in der strategischen
00:16:54: Auseinandersetzung zwischen den Gremien eine Bedeutung haben.
00:16:57: Nämlich eben, dass sozusagen der Standortbetriebsrat, das war fast schon klischeehaft
00:17:02: bei diesen zwei, drei Gremien, die ich da auch in der Vergangenheit intensiver begleitet habe.
00:17:07: Dass die genau diese Vorbehalte äußerten und am liebsten da gar keine Veränderungen
00:17:14: zuließen, bei denen sie nicht den Durchblick hatten.
00:17:17: Geschweige denn bereit waren, das anderen abzugeben, und den Konzernbetriebsräten,
00:17:23: die tatsächlich dort einfach eine größere Notwendigkeit gesehen haben,
00:17:27: neue Technologien zuzulassen und auch anders rangegangen sind an diese Bedenken.
00:17:34: Und das war zwischen den Gremien nicht einfach zu vermitteln.
00:17:38: Das kann ich gut nachvollziehen. Und wir haben ja gerade in dem Bereich häufig
00:17:42: in der Praxis damit zu tun, dass wir aus unterschiedlichen Perspektiven auf
00:17:46: diese Gremien dann treffen als Externe.
00:17:49: Also ich häufig in der Rolle der anwaltlichen Beraterin, die für die arbeitsrechtlichen
00:17:54: Fragestellungen dann steht.
00:17:55: Aber ganz häufig habe ich einen
00:17:57: IT-Sachverständigen oder eine IT-Sachverständige dann an meiner Seite.
00:18:02: Und da kommt es schon sehr stark darauf an, dass man da gut ineinander greift,
00:18:07: weil ich bekomme einen solchen Konflikt, der ja nicht nur ein Kompetenzkonflikt,
00:18:13: sondern der ein Haltungskonflikt ist,
00:18:15: bekomme ich nur in den Griff, wenn ich tatsächlich versuche, mich gut zu erklären.
00:18:21: Und das Arbeitsrechtliche ist recht schnell erklärt,
00:18:25: das IT-Technische ist deutlich schwieriger erklärt und hat es auch deutlich
00:18:31: schwerer, weil es eben genau an Wertevorstellungen und an Empfindlichkeiten anknüpfen muss.
00:18:38: Aber dieses Übersetzen, diese Kommunikationsfähigkeit, gerade bei IT-Themen,
00:18:44: ist unglaublich wichtig. Das kann ich auch so bestätigen.
00:18:47: Ich bin sozusagen häufig als Moderator und Strategieberater in diese Fragestellungen
00:18:53: gekommen und daher häufig mit Vermittlungsarbeiten dann betraut zwischen den Gremien.
00:18:58: Und das lief immer, also mal besser, mal weniger gut.
00:19:03: Das ist also ganz alltäglich. Aber was mich häufig durch den Kopf ging,
00:19:08: was ich selbst nie erlebt habe, aber vielleicht hast du das erlebt.
00:19:12: Da Betriebsräte ja eigenständig Rechtsberatung in Anspruch nehmen können, ist es vorstellbar,
00:19:21: gesetzlich möglich, dass sich Gremien untereinander rechtlich auseinandersetzen.
00:19:28: Und sozusagen ein Rechtsstreit zwischen Gremien. Ich habe das nie erlebt.
00:19:33: Oh ja, natürlich, das gibt es. Also das gibt es durchaus, dass Schreitigkeiten
00:19:38: zwischen den Organen, die sind auch in Beschlussverfahren dann tatsächlich arbeitsgerichtlich
00:19:43: teilweise ausgefochten.
00:19:44: Das geht auch teilweise über mehrere Instanzen, gibt auch Bundesarbeitsgerichtsentscheidungen dazu,
00:19:50: dass nämlich zum Beispiel der Gesamtbetriebsrat zum Konzernbetriebsrat sagt,
00:19:55: hier, du schöpfst das, was du hast an Mitbestimmungsrechten,
00:19:58: einfach nicht vollständig aus. Du musst viel sensibler damit umgehen.
00:20:01: Und deshalb meinen wir, das Thema ist nicht vollständig und gut genug abgedeckt
00:20:07: durch die Regelung, die jetzt geschlossen ist. Und das wird dann angegriffen.
00:20:10: Ja, da sind wir ja schon bei der Höchststufe der Eskalation,
00:20:13: was die externe Konfliktlösung durch das Arbeitsgericht beziehungsweise seine Instanzen anbelangt.
00:20:19: Aber das ist durchaus häufiger der Fall. Und wir haben dort jetzt einfach auch ein praktisches Thema.
00:20:26: Die Betriebsräte sind ja, auch das ist ein schöner juristischer Ausdruck,
00:20:31: ein vermögensloses Subjekt.
00:20:33: Das heißt, sie haben selber kein Geld und keiner der Betriebsräte um Gottes
00:20:41: willen soll auch irgendwas an eigenem Geld dort in die Hand nehmen,
00:20:44: sondern sie sind darauf angewiesen,
00:20:46: mit dem Arbeitgeber in die Kostenklärung zu gehen.
00:20:50: So, das funktioniert bei dir als strategischer Berater über die Hinzuziehung
00:20:56: externen Sachverstands, genauso wie bei mir als anwaltliche Beratung.
00:21:00: Und es hängt von dem Schlüsselwort, so sagt das Betriebsverfassungsgesetz,
00:21:04: in § 80 Absatz 3 von dem Schlüsselwort Erforderlichkeit ab.
00:21:09: So, und da sind wir schnell beim Punkt.
00:21:12: An der richtigen Stelle. Da tut sich eine Welt unter diesem Begriff auf.
00:21:14: Genau, an der richtigen Stelle. An der richtigen Stelle ist das.
00:21:19: Dein Rat, mein Rat, der IT-Sachverstandsrat gefragt.
00:21:23: Aber welches ist die richtige Stelle? Im Zweifel ist das die von Gesetzes wegen zuständige Stelle.
00:21:29: Und dann sind wir schon am Ende dieses Themas. Es sei denn, wir haben einen
00:21:33: aufgeschlossenen Arbeitgeber.
00:21:35: Wir haben einen Arbeitgeber, der versteht, was am Konfliktpotenzial hinter dieser Frage steht.
00:21:40: Und der sagt, okay, ich kriege das hier nur gelöst, wenn ich auch dem Gremium,
00:21:45: das ich hier im Hintertreffen sieht, entsprechenden Sachverstand zugutekommen lasse.
00:21:50: Aber ganz ehrlich, in der Praxis ist das eine deutliche Ausnahme.
00:21:57: Hey, du, der diesen Podcast hört, vergiss nicht, ihn zu bewerten und eine Rückmeldung
00:22:05: zu geben. Vielen Dank und jetzt geht's weiter.
00:22:09: Ja, also das ist eine Frage, die nicht ausgerechnet werden kann.
00:22:14: Also die Antwort ist nicht eindeutig berechenbar.
00:22:18: Und das heißt, jeder darf dafür streiten, was er für erforderlich sieht.
00:22:23: Hier kann man sich schon dann also über die Kompetenz streiten,
00:22:27: wer über die Frage mitentscheiden darf mit dem Arbeitgeber.
00:22:30: Und mir war das nicht klar, beziehungsweise ich habe das eben nie erlebt,
00:22:34: weil die Gremien selbst doch so eng verwoben waren, aber eben auch strategisch sich nicht,
00:22:41: sage ich mal, so zerreißen lassen wollten dann vor Gericht, dass das doch noch
00:22:46: genügend Kraft hatte, ausgehandelt zu werden.
00:22:51: Also das waren dann eben Aushandlungsgespräche zwischen den einzelnen Vertretern.
00:22:56: Und die sind ja auch personell durchaus miteinander gekoppelt.
00:23:00: Also dass ein Gesamtbetriebsrat eben auch Mitglied und entsendete Person im
00:23:04: Konzernbetriebsrat ist.
00:23:06: Darauf haben die Betriebe, mit denen ich zu tun hatte, auf jeden Fall immer geachtet.
00:23:10: Dass sie auf diese Personen dann besonders sensibel gehört haben,
00:23:14: meinst du so, denke ich, oder?
00:23:15: Ja, und ich muss genau gucken, dass ich das nicht falsch in Erinnerung habe,
00:23:20: aber es war häufig so, dass die im Gesamtbetriebsrat waren, auch in den Konzernbetriebsrat gingen.
00:23:28: Genau, also der Gesamtbetriebsrat entsendet ja genauso wie die örtlichen in
00:23:32: den Gesamtbetriebsrat, entsendet der Gesamtbetriebsrat in den Konzernbetriebsrat.
00:23:35: Und natürlich, durch Wahl im Gremium des Gesamtbetriebsrats geschieht das.
00:23:40: Und natürlich werden da in der Regel erfahrene Betriebsräte entsandt.
00:23:46: Erfahrene Betriebsräte, denke ich, in dem Sinne, dass sie nicht nur das Geschäft
00:23:51: des Betriebsrats gut kennen, sondern dass sie auch schon gute Erfahrungen gesammelt
00:23:56: haben und letztlich, dass sie auch konflikterfahren sind.
00:23:59: Das heißt, Sie sind schon dann die richtige Person und die richtige Ansprechperson
00:24:04: im Konzernbetriebsrat dann für einen solchen strategischen Konfliktlösungsansatz,
00:24:10: der dann auf dich oder in deiner strategischen Beraterrolle oder auf mich in
00:24:15: der anwaltlichen Beraterrolle dann zukommt.
00:24:18: Dass zumindest auch so über den Daumen gepeilt die Konflikte weniger zwischen
00:24:23: Gesamtbetriebsrat und Konzernbetriebsrat aufgebrochen sind,
00:24:27: sondern die unterschiedlichen Meinungen vor allen Dingen zwischen den Standortbetriebsräten
00:24:32: waren und den Konzernbetriebsräten.
00:24:35: Und der Gesamtbetriebsrat natürlich so ein bisschen die Vermittlerrolle hatte.
00:24:39: Aber das heißt, da waren eben die Standortbetriebsräte, weil sie ja als Gremien
00:24:43: immer beschlossen haben, auch stärker in ihrer Ausrichtung.
00:24:47: Also die Vorsitzenden der Standortbetriebsräte mussten stark auf diese Kollegen
00:24:52: im Gremium hören, wenn sie dann auch im Konzernbetriebsrat agiert haben.
00:24:56: Also das fand ich immer eine sehr, also bei aller Unterschiedlichkeit und auch
00:25:02: Hitzigkeit in der Konfliktbearbeitung, das waren eben Verhandlungsgespräche,
00:25:08: Vermittlungsgespräche,
00:25:09: das war jetzt noch nicht so formalisiert wie jetzt bei Gericht.
00:25:13: War dieses komplexe Feld von, wir haben hier unterschiedliche Meinungen.
00:25:18: Wir haben unsere Mitarbeiter, die Belegschaft zu beachten.
00:25:22: Wir haben den Arbeitgeber zu beachten, mit dem wir uns ja dann später auch noch
00:25:26: auseinandersetzen müssen.
00:25:28: Und wir haben noch andere Themenfelder, sodass die Konfliktbearbeitung wirklich
00:25:33: komplex angereichert war mit unterschiedlichsten Fragestellungen.
00:25:37: Das ist schon ein anspruchsvolles Geschäft gewesen.
00:25:41: Also auch im besten Sinne, sage ich mal, betriebspolitisch aufgeladen und nicht
00:25:47: allein juristisch, nicht allein
00:25:48: technisch, sondern da geht es wirklich um politische Ausrichtungen auch.
00:25:53: Und ich meine das jetzt nicht im Sinne von parteipolitisch, sondern betriebspolitisch.
00:25:58: Betriebspolitisch, unternehmenspolitisch, Ausrichtungsfragen.
00:26:01: Wie stark geht es zum Beispiel in die technische Innovationsrichtung?
00:26:04: Wie stark wird Gas gegeben? Wie stark wird vielleicht gebremst?
00:26:08: Natürlich, das sind strategische Fragestellungen, an denen man sich sehr reiben kann.
00:26:12: Und diese Reibung kann ich auch absolut bestätigen an der Stelle.
00:26:17: Das sind schwierige Themen, die schon immer,
00:26:23: intern dann irgendwie in das Gleichgewicht gebracht werden sollten.
00:26:30: Um nicht zu, ich sage Wunden ist vielleicht ein großes Wort,
00:26:35: aber um nicht zu Verwerfungen zu führen, die einem dann in den weiteren Themen,
00:26:40: was vielleicht in ganz anderen Zusammenhang steht,
00:26:43: dann wieder auf Deutsch gesagt auf die Füße fallen.
00:26:45: Da ist höchste Sorgfalt und auch großes Fingerspitzengefühl angesagt,
00:26:51: um da nicht die eine oder andere konfliktbeteiligte Person in irgendeiner Haltung
00:26:56: einrasten zu lassen, wo sie dann verharrt,
00:26:58: auch wenn es beim nächsten Thema vielleicht um ganz andere Fragestellungen geht
00:27:03: und sich ganz andere komplexe Zusammenhänge hier zeigen.
00:27:08: Für mich war das immer der Begriff, also der so nicht gefallen ist,
00:27:11: aber der das für mich am besten auf den Punkt immer brachte,
00:27:14: diese gemeinsame Ausrichtung, dass wir, also wir im Sinne von die Konfliktbeteiligten
00:27:21: bei diesen Gremienkonflikten, dann immer wieder klargemacht haben,
00:27:25: wir sind ja Betriebsräte.
00:27:27: Wir kämpfen praktisch auf einer Seite gemeinsam.
00:27:30: Und das hatte mich stark erinnert auch an parteipolitische Auseinandersetzungen.
00:27:36: Das heißt, das unterschiedlichste Interessen in einer großen Gruppe von Menschen
00:27:42: dann doch mit einem, ich sage mal.
00:27:45: Moralischen Anspruch Zusammenhalt gewährt wurde.
00:27:49: Also bei aller Auseinandersetzung war dann doch wieder klar und wenn man dann
00:27:53: daran erinnert wurde auch oder sich erinnert hat,
00:27:56: wir kämpfen alle im Grunde genommen in der gleichen Mannschaft und wir sind
00:28:00: Betriebsräte und das hat dann doch immer wieder zur Beruhigung geführt,
00:28:05: zur Ausrichtung, aber es wurde auch natürlich dazu gebraucht,
00:28:08: den anderen zur Ressent zu bringen und ihn daran zu erinnern,
00:28:12: wenn er mal aus der Sicht der einen Konfliktpartei zu sehr ausgeschert ist.
00:28:17: Das hat häufig sozusagen diese Konflikte zwischen den Gremien geprägt.
00:28:24: Das kann ich so bestätigen. Und das ist ja letztendlich auch sehr vernünftig,
00:28:28: es so zu handhaben, weil nur die Gemeinsamkeit macht, den Betriebsrat,
00:28:33: egal in welcher Rolle er unterwegs ist, tatsächlich gegenüber dem Arbeitgeber stark.
00:28:38: Das muss jedes Gremium in jeder Konstellation, sei es interne Streitigkeiten
00:28:44: oder Streitigkeiten, jetzt zwischen den Gremien immer wieder bewusst werden.
00:28:49: Und das räume ich auch gerne ein, dass dieser Bewusstwertungsprozess stattfindet
00:28:56: und er dauert halt nur unterschiedlich lang.
00:28:57: Und eine Frage noch, weil wir ja sozusagen auch hier in einem Mediationspodcast
00:29:03: sind und wir beide da auch Mediatoren sind.
00:29:05: Wie ist da deine Einschätzung? Und ich lege mal meine vor.
00:29:09: Diese Auteinandersetzung zwischen Gremien bieten auf den ersten Blick formell
00:29:15: viel Raum für Mediatoren.
00:29:17: Und aber aus der praktischen Erfahrung und aus dem, wie ich das erlebt habe, fast gar nicht.
00:29:26: Weil es so betriebsratspolitisch aufgeladen ist, dass man da als Externer für
00:29:33: einen Konfliktfall gar nicht beauftragt wird.
00:29:36: Man muss sozusagen schon vorher angekoppelt sein, um dann Vermittlungsarbeit
00:29:40: leisten zu dürfen als Externer.
00:29:43: Absolut. Ich denke, dass die Offenheit an der Stelle auch nicht da sein würde,
00:29:48: weil man letztlich vielleicht auch nicht klar erkennt, was uns als Mediatoren
00:29:55: leichter fällt, welches Konfliktgeschehen da eigentlich ist.
00:29:59: Und das Bewusstsein an der Stelle ist, glaube ich, nicht so stark ausgeprägt.
00:30:06: Und insofern habe ich auch noch nicht erlebt, dass dann aus einer solchen Situation.
00:30:13: Ohne dass ich vorher involviert gewesen wäre, auf mich jemanden zugekommen wäre,
00:30:17: aus der Betriebsratslandschaft und gesagt hätte, Mensch, können Sie uns da nicht helfen?
00:30:22: Wir sind da festgefahren an der Stelle. Das findet auch hier bei mir so nicht statt.
00:30:27: Also da sah ich auch bestätigt, was ich an anderer Stelle erfahren habe,
00:30:32: dass Mediation in dieser Form oder in der Vorstellung,
00:30:35: wir sind in einem Konflikt, doch lass uns doch jemanden beauftragen,
00:30:38: der uns hier hilft und der neutral ist, also auch uns beide nicht enger kennt,
00:30:43: sondern der das als Dienstleistung einfach so anbietet, dass da praktisch kein
00:30:48: großer Raum da ist dafür.
00:30:49: Und Mediationsarbeit selbst aber genügend geleistet wird von vielen,
00:30:54: die in diesem Konflikt beteiligt, betroffen oder einfach auch nur anwesend sind.
00:30:59: Das fand ich für mich da auch bemerkenswert.
00:31:03: Das kann ich auch bestätigen und auch mir geht es so, dass ich dann eine, sag ich mal.
00:31:10: Deutliche Anzahl von Gesprächen auch so führe,
00:31:16: wie ich sie zum Beispiel in der Bestandsaufnahme bei der Mediation führen würde,
00:31:22: Um erst mal mir überhaupt ein Bild zu verschaffen,
00:31:26: um welche Themen es geht,
00:31:28: um auch natürlich dann ein bisschen tiefer zu gehen, welche Interessen dahinterstehen.
00:31:32: Das hilft natürlich enorm an der
00:31:34: Stelle, wenn man diesen Werkzeugkasten sozusagen mit in seinem Paket hat.
00:31:40: Aber es ist nicht so, dass man das dann konsequent weiter durchführen würde.
00:31:47: Ich erlebe mich dann auch häufig als jemand, der pendelt,
00:31:51: also der das auch gar nicht in der Gemeinschaft einer Gruppe macht,
00:31:55: sondern der dann das Gespräch außerhalb der Gruppe sucht,
00:32:00: ganz banal in den immer noch stattfindenden Raucherpausen oder abends mal oder
00:32:06: in der Mittagspause oder beim Spaziergang,
00:32:09: den man dann macht, weil das Wetter dann gerade schön ist und man sitzt den
00:32:12: ganzen Tag irgendwo in einem abgeschlossenen Raum, man geht jetzt mal ein paar Runden.
00:32:17: Das sind so die Situationen, die ich dann sehr gerne nutze, um einzelne Personen
00:32:21: anzusprechen und mir über deren Lage in diesem Konflikt auch klarer zu werden,
00:32:28: um dann vielleicht auch besser einwirken zu können, um zu einer Lösung zu kommen.
00:32:32: Bei dem Bild der Rauchepause, da musste ich an einer...
00:32:35: Konkrete Moderationen denken. Da haben wir dann sozusagen eingeführt,
00:32:39: so eine Art E-Mail-SMS-Pause, sozusagen.
00:32:42: Die einen waren auf dem Raucherhof und die anderen waren aber noch drinnen in
00:32:45: den Räumlichkeiten und alle Kopf gesenkt mit Smartphone in der Hand und sind
00:32:49: so geschlendert und haben halt die wichtigsten Nachrichten sich angeschaut.
00:32:54: Und da dachte ich, das ist die moderne Raucherpause.
00:32:57: Absolut, ja. Ich erinnere mich gut an eine Situation, wo auch die Verhandlungen
00:33:02: in den Abendstunden gingen und eben der Konflikt auch eher intern,
00:33:05: als mit dem Arbeitgeber lag und dass dann die Betriebsratsdelegation und die
00:33:09: Arbeitgeberdelegation gesagt hat, okay, wir gehen mal eine Runde.
00:33:12: Und man hat eine Runde gemacht um einen Parkplatz, der vor diesem Gebäude war.
00:33:16: Die Betriebsräte gingen in die eine Richtung und die Arbeitgeber gingen in die
00:33:19: andere Richtung, aber man begegnete sich immer wieder.
00:33:21: Man musste immer sehen, dass man dann die vertraulichen Gespräche so führen
00:33:25: konnte, dass in der Begegnungsphase da kein Stichwort fiel.
00:33:29: Das ist so eine Assoziation, die ich da immer noch vor Augen habe.
00:33:35: Gut, ja, Antje, mir ist deutlich geworden nochmal,
00:33:39: dass die verteilten Kompetenzen durch das Betriebsverfassungsgesetz die Konflikte
00:33:44: zwischen den Betriebsratsgremien verdeutlicht,
00:33:47: also zugrunde legt, dass da eben auch dann das Engagement der Betriebsräte so
00:33:52: ausgerichtet sein kann,
00:33:54: dass die Gremien untereinander in Konflikt geraten.
00:33:57: Wir haben den verbindenden Kit verdeutlicht, dass diese Konflikte nicht einfach
00:34:03: so dann formalisiert vor Arbeitsgerichten oder Einigungsstellen kommen.
00:34:09: Also dafür sind sie auch gar nicht vorgesehen.
00:34:10: Aber dass das Potenzial zur Auseinandersetzung auf jeden Fall da ist.
00:34:16: Absolut. Und finde ich auch sozusagen bestätigend, dass die Austragung dieser
00:34:22: Konfliktpotenziale bei aller
00:34:24: Deutlichkeit doch informell erfolgt und eine formalisierte Mediation,
00:34:30: also auch wenn sie ganz privat sozusagen angefragt werden würde,
00:34:34: relativ unwahrscheinlich ist. Zumindest aktuell.
00:34:37: Man muss sozusagen vorher schon angekoppelt sein, dass man dort Vermittlungsarbeit leisten kann.
00:34:42: Aber du hast das ja deutlich gemacht, sowohl als Rechtsberaterin und Rechtsanwältin
00:34:48: ist das dann erforderlich als Moderator in den Fällen, die ich vor Augen habe.
00:34:54: Aber ich kann mir auch vorstellen, die IT-Berater oder die anderen externen
00:35:01: Anwesenden, die unterschiedliche fachliche Dimensionen haben,
00:35:05: dass die da vermittelnd eingreifen, wenn die Gremien dann in Kompetenzgerange geraten.
00:35:13: Es gibt ja noch die Person unter Umständen der wirtschaftlichen Berater,
00:35:17: gerade wenn es an die Substanz geht, also wenn wir darüber nachdenken,
00:35:21: dass es eine Konstellation der Betriebsänderung gibt, also.
00:35:26: Einschränkung, Stilllegung, Verlegung. Ja, auch da haben wir ja eine interessante
00:35:31: Konstellation, dass der Interessenausgleich, das ist gemeinhin der Fahrplan
00:35:36: für diese Maßnahme auf der höheren Ebene,
00:35:40: also höher insofern ist es ungenau, also auf der übergreifenden Ebene zu verhandeln
00:35:46: ist, also zum Beispiel auf Konzernbetriebsrat oder Gesamtbetriebsratsebene.
00:35:50: Aber die tatsächliche Milderung der damit verbundenen Nachteile,
00:35:54: die ja Gegenstand des Sozialplans sind, dann vor Ort in den entweder Gesamtbetriebsräten
00:35:59: oder Betriebsräten zu fahren sind.
00:36:01: Und da kann man sich natürlich auch sehr gut vorstellen, dass schon beim Fahrplan,
00:36:05: welcher Standort ist wann dran, bei welchem Standort gibt es sich welche Chancen,
00:36:11: dass da ein enormes Potenzial in dem zuständigen Gremium besteht,
00:36:16: wo dann auch zum Beispiel ein wirtschaftlicher Berater, der dann knallhart betriebswirtschaftliche
00:36:22: Berechnungen des Arbeitgebers entweder in Frage stellt oder alternativ rechnet,
00:36:28: eben auch genau diese Rolle zukommt.
00:36:30: Und zu sagen, hier die Zahlen sprechen eigentlich eine eindeutige Sprache,
00:36:34: jetzt muss ich das nur sozusagen vermitteln in diese heterogene Gruppe der Verhandelnden.
00:36:40: Das kann ich auch bestätigen. Aber da habe ich weniger Konflikterfahrung,
00:36:44: das ist mehr dieses ungelebte Gefühl der Trauer in Wirtschaftsfragen und dass das dann dort aufkam.
00:36:53: Also das ist wirklich, muss man so sagen, wie eine Trauergemeinschaft dann auch
00:36:57: ist, wenn ein Standort geschlossen wurde.
00:37:01: Da an Gesamtbetriebsratsmoderationen von einem Autozulieferer mit vielen Standorten
00:37:08: und es ging über mehrere Jahre,
00:37:10: sodass man dann immer bei den einzelnen Moderationen auch geguckt hat,
00:37:15: wie geht es den Standorten.
00:37:16: Da konnten manchmal die Wirtschaftlichkeit der Standorte nicht unterschiedlicher sein.
00:37:21: Die einen dann abgeschrieben und haben den Schließungsbeschluss verarbeiten
00:37:29: müssen und andere hatten eine sehr rosige Zukunft.
00:37:32: Das war dann weniger Konfliktpotenzial, sondern eher Begleitarbeit,
00:37:38: wie man mit dieser Unterschiedlichkeit umgeht.
00:37:41: Antje, damit haben wir den zweiten Teil,
00:37:45: abgeschlossen oder können ihn abschließen und gehen sozusagen in den dritten
00:37:51: Teil über, den wir dann demnächst angehen werden und dann auch hier veröffentlichen werden.
00:37:58: Da gehen wir dann auf die Konflikte, die Betriebsratsgremien mit Arbeitgebervertretern
00:38:05: haben und auch durchfechten, sowohl mediativ als auch dann arbeitsrechtlich
00:38:12: vor der Einigungsstelle.
00:38:13: Beziehungsweise dann auch eskaliert vor den Arbeitsgerichten und schauen uns
00:38:18: das an, was im Alltagsverständnis Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern ausmachen.
00:38:26: Genau, das, was man da üblicherweise damit assoziiert. Ja, genau.
00:38:31: Vielen Dank, dass du hier wieder mit dabei warst und sozusagen das Innenleben
00:38:38: von Betriebsratsgremien und deren Zusammenspiel mitbeleuchtet hast.
00:38:43: Denn das ist schon etwas spezieller. Da kennt man sich nicht so einfach aus,
00:38:49: wenn man das nicht selbst auch mitgemacht hat.
00:38:52: Ja, es passiert überwiegend in geschlossenen Räumen, ob sie nun tatsächlich
00:38:57: geschlossen sind oder abgeschlossen sind im Sinne von vertraulichem Austausch.
00:39:02: Ja, also finden keinen Weg sozusagen in die öffentliche Presse oder in Funk und Fernsehen,
00:39:09: sondern maximal in die Betriebsratszeitung und das dann gleichzeitig auch sozusagen
00:39:14: wieder als ein Move in der Auseinandersetzung von Konfliktpotenzialen zwischen diesen Gremien.
00:39:22: Da kann man ganz gut befeuern, ja. Ja, genau.
00:39:25: Ich wünsche dir eine gute Zeit. Ich sage mal, bis bald, bis alles bald und vielen
00:39:31: Dank. Das war hochinteressant mit dir.
00:39:34: Sehr gerne und auch dir eine gute Zeit. Bis bald. Ciao.
00:39:38: Konflikte zwischen Betriebsratsgremien in einer Firma.
00:39:42: Das habe ich mit Rechtsanwältin und Mediatorin Antje Burmeester besprochen.
00:39:48: Eine Kollegin aus dem Kölner Raum, die sehr erfahren ist im Umgang mit Betriebsräten
00:39:56: als auch im Umgang mit Konflikten,
00:39:58: die Betriebsräte untereinander, aber auch natürlich mit Arbeitgebern oder Belegschaft haben.
00:40:03: Und heute haben wir also dieses Binnenverhältnis von Betriebsratsgremien in den Blick genommen,
00:40:10: das für die Allgemeinheit oft nicht so sichtbar ist, sondern diese Zusammenkünfte
00:40:17: der Betriebsratsgremien, die dann die Konfliktpotenziale verdeutlichen.
00:40:21: Bleiben häufig hinter diesen Mauern des Treffens und werden dort bearbeitet,
00:40:27: finden nicht den Eingang in Funk und Fernsehen oder die allgemeine Presse.
00:40:33: Und daher ist es eine sehr spezifische Konfliktbearbeitungsphase und auch für
00:40:39: Vermittlungsbemühungen offen,
00:40:42: die schon vor Ort sind, in Form von externen Beratern, Begleitern,
00:40:47: auf der moderativen Ebene oder eben auch in der fachlichen Ebene.
00:40:51: Es kommt selten, so zumindest die Erfahrung von Antje und mir,
00:40:55: dazu, dass anlässlich eines Konfliktes extra jemand beauftragt wird und damit
00:41:01: sozusagen formalisiert eine Mediation stattfindet.
00:41:04: Ich bedanke mich, dass du wieder hier mit dabei warst und diesen Podcast gehört
00:41:11: hast, dadurch unterstützt und wenn er dir gefallen hat, gerne auch ein Feedback
00:41:15: hinterlässt und ihn weiter empfiehlst.
00:41:18: Damit hilfst du auch Menschen, die diesen Podcast noch nicht kennen,
00:41:22: zu hören, weil sie ihn hören sollten, weil er ihre Arbeit betrifft. Mit besten Wünschen.
00:41:28: Bis zum nächsten Mal. Kommt gut durch die Zeit. Ich bin Sascha Weigel,
00:41:32: dein Host von IncoFEMA, dem Institut für Konflikt- und Verhandlungsmanagement
00:41:35: in Leipzig und Partner für professionelle Mediations- und Coaching-Ausbildungen.