#289 GddZ - Radikalisierte Ältere. Im Gespräch mit Mirijam Wiedemann.
Den zugrundeliegenden Fachartikel in der Konfliktdynamik kannst Du für 14 Tage hier frei verfügbar lesen.
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Zusammenfassung:
In dieser Folge spreche ich mit Miriam Wiedemann über ihren Beitrag zur Frage, warum wir über radikalisierte ältere Personen sprechen müssen. Im Mittelpunkt steht ein Phänomen, das bisher wenig beachtet wurde: ältere Menschen, oft ab etwa 50 oder 60 Jahren, geraten zunehmend in digitale Radikalisierungsprozesse.
Wir beschreiben, wie dieses Thema aus der Beratungspraxis entstanden ist. Während der Corona-Zeit haben sich die Anfragen verändert: Statt besorgter Eltern meldeten sich häufiger jüngere Angehörige, die über Eltern oder Großeltern berichteten, die Verschwörungsinhalte teilten oder sich politisch und gesundheitlich stark verengt äußerten. Wir ordnen Radikalisierung als schleichenden Prozess ein. Dabei spielen Filterblasen, wiederholte digitale Inhalte, Schwarz-Weiß-Denken und Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen eine Rolle. Diese Entwicklung kann sich in Gesprächen im Familienkreis, in Chats oder in alltäglichen Äußerungen zeigen und auch Entscheidungen im privaten Bereich beeinflussen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rolle digitaler Medien. Ältere Menschen nutzen Smartphones, Messenger und soziale Medien, aber oft anders als Jüngere. Wir sprechen darüber, dass ältere Nutzer Inhalte häufiger über Familienchats, E-Mails oder empfohlene Beiträge erreichen und dass sie digitale Mechanismen wie Algorithmen oder KI-generierte Inhalte oft weniger erkennen.
Wir besprechen auch, wie man reagieren kann. Wichtig ist aus unserer Sicht, den Kontakt nicht abzubrechen, sondern bei den zugrunde liegenden Bedürfnissen, die mitunter bedroht oder unbefriedigt sind, anzusetzen: soziale Isolation, Unsicherheit, Gesundheitsängste, Rentenfragen, Anerkennung und das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit. Als mögliche Ansatzpunkte nennen wir einladende soziale Einbindung, gemeinsame Aktivitäten und Austauschgruppen für Ältere. Zum Schluss geht es um den gesellschaftlichen Blick. Wir sprechen darüber, dass es zu wenige langfristige Angebote und zu wenig Aufmerksamkeit für ältere Zielgruppen gibt. Gleichzeitig bleibt offen, wie groß das Problem insgesamt ist, auch wenn digitale Plattformen und soziale Medien weiter eine große Rolle spielen.
Kapitel:
0:31 Radikalisierung im Alter
2:17 Der Beratungsalltag verändert sich
5:39 Alte nutzen Medien anders
9:31 Was Radikalisierung bedeutet
14:57 Digital getrieben, aber anders
17:56 Erste Hilfe für Angehörige
19:45 Ruhestand als Risiko
22:10 Neue Angebote für Ältere
23:34 Blick auf die Zukunft
Gästin:
Mirijam Wiedemann hat gymnasiales Lehramt in den Fächern Englisch, Geschichte und katholische Theologie an der Universität Tübingen studiert. Nach ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Baden-Württemberg ist sie seit 2017 die Leiterin der Geschäftsstelle für gefährliche religiös-weltanschauliche Angebote in der Stabsstelle Religionsangelegenheiten/ Staatskirchenrecht am Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.
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