#290 GddZ - Rache und Mediation. Im Gespräch mit Dr. Fabian Bernhardt
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Gast Dr. Fabian Bernhardt:
Studierte Philosophie, Ethnologie und Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft in Mainz. Nach seinem Studium arbeitete er als Lektor, u.a. an der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Er promovierte in der Graduiertenschule des Clusters "Languages of Emotion" an der Freien Universität Berlin. Galt seine Magisterarbeit der Vergebung, so geht es in seiner Dissertation um Rache, Vergeltung und das kulturelle Imaginäre.
Zusammenfassung:
Im Gespräch geht es um das Thema Rache und darum, warum es in modernen Konflikt- und Rechtssystemen meist kaum offen angesprochen wird. Wir, Sascha und sein Gast, Der Philosoph Fabian Bernhardt, ordnen Rache als ein Element ein, das in Konflikten eine Rolle spielt, aber im Alltag und in der juristischen Sprache oft verdrängt wird. Bernhardt erklärt, dass seine Beschäftigung mit dem Thema aus seiner philosophischen Arbeit über Vergebung entstanden sei. Ihm sei aufgefallen, dass Rache in vielen neueren philosophischen Texten kaum vorkommt, obwohl sie als erste Reaktion auf erfahrenes Unrecht naheliegt. Daraus entwickelte er die Frage, was Rache überhaupt ist, wie sie mit Gefühlen und Gerechtigkeit zusammenhängt und wie sie kulturell eingebettet ist.
Ein zentraler Punkt ist die historische Trennung von Recht und Rache seit der Aufklärung. Während in älteren Denkweisen Strafe, Vergeltung und Affekt noch zusammen gedacht wurden, versuchte die moderne Rechtsordnung Strafe als nüchterne, leidenschaftslose Ordnung zu formulieren. Bernhardt betont, dass dadurch emotionale Konflikte nicht verschwinden, sondern nur aus dem rechtlichen Rahmen herausgedrängt werden.Besprochen wird auch die starke Präsenz von Rache in Erzählungen, Filmen und Populärkultur. Der Gastgeber nennt Beispiele wie Robin Hood, Batman und andere Rachefiguren.
Bernhardt beschreibt das als moderne Racheromantik: Rache sei gesellschaftlich nicht legitim, erscheine im Imaginären aber umso stärker. Auch private Rachefantasien nach Kränkungen seien verbreitet.
Ein weiterer Schwerpunkt sind vorstaatliche oder segmentäre Gesellschaften. Dort sei Rache nicht individuell, sondern eine Angelegenheit zwischen Gruppen. Konflikte würden oft nicht durch Gewalt, sondern durch Ausgleich, symbolische Gaben, Entschuldigungen und Wiederherstellung sozialer Beziehungen geregelt. Bernhard verweist darauf, dass solche **Formen der Konfliktregelung der Mediation und restorative justice **nahekommen.Zum Schluss spricht das Gespräch über aktuelle politische Formen von Rache und Ressentiment.
Bernhard beschreibt, dass populistische Politik gezielt Gefühle von Verlust und Ungerechtigkeit anspricht und eine rächende Ordnung verspricht.
Außerdem kündigt er einen englischsprachigen Sammelband zum Thema Rache an, den er mit Kolleginnen herausgegeben hat.
Kapitel:
0:08 Rache im Fokus
1:37 Warum Racheforschung?
3:37 Recht gegen Vergeltung
6:00 Aufklärung und Strafdenken
9:55 Rache im Imaginären
14:40 Vorstaatliche Konfliktordnung
19:45 Ausgleich statt Gewalt
23:43 Mediation und Gemeinschaft
27:02 Viele Gesichter der Rache
30:09 Versöhnung mit Grenzen
33:35 Der offene Rächer
35:06 Politik des Ressentiments
39:19 Neuer Sammelband zu Rache

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